Warum
„Politische Memoriale“?
Der zungenbrecherische Begriff ist in der deutschen Sprache etwas ungewöhnlich. Man spricht sonst von „Gedenkstätten“. Meist muss man dann aber auch noch genauer werden: Meint man damit eine Gedenkstätte als Haus mit Öffnungszeiten wie ein Museum? Oder geht es um eine parkähnliche Anlage mit einem Gedenkstein? Um alles einschließen zu können, haben wir den eher an das Englische angelehnten Begriff gewählt. Er ist international weitaus gebräuchlich. Selbst in Russland gibt es eine „Memorial“-Gruppe, die sich mit der Gedenkstätten-Problematik auseinandersetzt.
„Politische Memoriale“ fasst also alles zusammen, was an die politische Geschichte von Verfolgung und Widerstand erinnert: nicht nur die Gedenkstätten sondern auch Steine, Bäume, Tafeln, Friedhöfe, Gebäude, ganze Orte usw.
Manches muß auf den ersten Blick nicht einmal „politisch“ aussehen. Beispielsweise der Ort Mestlin: Er entstand in den 50er Jahren als „sozialistisches Dorf“ - ein hochpolitisches Prestigeobjekt. Man kann es nicht nur als kulturhistorische Seltsamkeit verstehen. Der Begriff „politisch“ wird also in einem erweiterten Verständnis gebraucht.